Letzte Wochen in Bolivien – mit tollen Erlebnissen!

23. August 2010

Lamas crossing! Meine letzten Wochen in Bolivien konnte ich noch zum intensiven Reisen nutzen und so besuchte ich einige der schönsten und spannendsten Orte in meiner zweiten Heimat.

Salar de Uyuni, Lagunen, Wüste und Geysire

Nach meinem Aufenthalt in La Paz, von dem ich zuletzt noch berichtet hatte, ging es für mich ins kalte Uyuni (3600 m über dem Meeresspiegel auf dem Altiplano). Weil starke Winde (die wegen fehlender Vegetation sehr viel Staub herumwirbeln) die Wasserversorgung verstopft hatten, gab es, als ich in Uyuni ankam, kein Leitungswasser. Also nur Katzenwäsche.
Am nächsten Morgen ging es dann endlich los, neben unserem Fahrer Richard begleiteten mich noch fünf Brasilianer auf unsere dreitägige Tour in einem mittelalten Toyota Landcruiser, der wie alle Tourwagen dort eine dritte Sitzreihe hatte.

Eisenbahnfriedhof bei Uyuni Am ersten Tag besuchten wir zunächst den Eisenbahnfriedhof, fünf Minuten von Uyuni entfernt. Hier stehen seit rund hundert Jahren alte ausrangierte Loks aus der Zeit der Minenzüge. Ein bizarrer Ort. Rosten tun die Züge übrigens so gut wie gar nicht – dafür ist die Luft hier viel zu trocken.
Salzgewinnung am Salar de Uyuni Dann ging es rauf auf den Salar de Uyuni. Mit rund 10.600 km2 (rund zwei Drittel der Fläche von Schlesig-Holstein) ist dies die grösste Salzfläche der Erde. Entstanden ist sie durch das Abtrocknen eines prähistorischen Meeres, dass durch die Faltung der Anden abgetrennt und dann angehoben wurde.
Auf der „Insel“ Inkawasi Stundenlang fuhren wir auf der weissen, das Sonnenlicht grell reflektierenden Salzschicht, die zwischen 10 und 130 Metern dick ist. Dementsprechend wird (so gut wie) alles Salz, das in Bolivien verkauft wird, hier abgebaut. Mitten auf dem Salar gibt es ein (nicht mehr benutztes) Hotel, das komplett aus Salz errichtet wurde. Nach einem Halt dort kamen wir Stunden später bei der Isla „Incawasi“ an. – Mitten in der Salzwüste erhebt sich hier eine Insel voller Kakteen – faszinierend. Später fuhren wir dann wieder für ein oder zwei Stunden weiter, bis wir bei unserem Quartier am Rande des Salars ankamen – das sogar über warme Duschen verfügte!
Arbol de Piedra Am nächsten Morgen ging es dann nach einem kurzen Frühstück um halb sieben los, wir fuhren durch Bergwüste zu verschiedenen Lagunen, sahen Flamingos, später den „Arbol de Piedra“, ein bizarr wirkender Stein, der wirklich Ähnlichkeit mit einem Baum hat.
Flamingos an einer Laguna Laguna Die Nacht verbrachten wir direkt an der wunderschönen Laguna Colorada in einer sehr einfachen Unterkunft (diesmal ohne fliessend Wasser). Am Morgen ging es richtig früh los (um halb sechs), um rechtzeitig bei Sonnenaufgang an den Geysiren anzukommen – bei einer Temperatur irgendwo zwischen minus fünf und minus zehn Grad – und die Heizung des Wagens funktionierte nicht … Genau rechtzeitig zum Sonnenaufgang kamen wir dann bei den Geysiren an – ein tolles Naturschauspiel!
An den heissen Quellen Weiter ging es zu den heissen Quellen. Nachdem wir unsere halb-erforenen Füsse im warmen Wasser (knapp 40 Grad) wieder aufgetaut hatten, ging es dann zur letzten Lagune. Dort wurde gefrühstückt und bis auf einen Mitfahrer verabschiedete sich der Rest nach San Pedro de Atacama (Chile), während wir eine lange Rückfahrt nach Uyuni vor uns hatten. Nicht lange nach der Ankunft zurück in Uyuni fuhr ich dann über Nacht – ein Teil der Strecke über den Salar – und mit Umsteigen in Oruro nach La Paz.

Die sog. „Salar-Tour“ ist ohne Zweifel ein Höhepunkt eines jeden Bolivien-Aufenthaltes. So viel schöne, faszinierende und abwechslungsreiche Landschaft in einer dreitägigen Tour machen dies wirklich zu einem tollen Erlebnis!

Trekking in die Yungas

Yeah! In La Paz traf ich mich mit meinem Kollegen Robin, um den Choro-Trek zu wandern. Dieser startet bei „La Cumbre“ (rund eine Stunde ausserhalb von La Paz) auf 4725 Metern Höhe. Zunächst steigt man noch auf 4859 Meter hinauf, bevor man rund 70 km überwiegend bergab in die Yungas wandert bis zum kleinen Dorf Chairo, das auf rund 1200 m liegt.
Die Vorbereitungen am Nationalfeiertag (6. August) gestalteten sich etwas schwierig und so kamen wir am nächsten Morgen leider erst ziemlich spät weg, da wir u.a. noch Gas für den Camping-Kocher und Lebensmittel kaufen mussten.
Gegen zwölf Uhr waren wir dann endlich bei La Cumbre und konnten von der Anhöhe eine fantastische Aussicht geniessen. Um noch rechtzeitig bei unserem Tagesziel anzukommen, verzichteten wir darauf, uns ein warmes Mittagessen zuzubereiten und stopften uns nur mit Keksen voll.
Am ersten Tag war die Landschaft aufgrund der Höhe noch sehr karg. Am späteren Nachmittag tauchten dann aber die ersten Bäume auf, es wurde zunehmend grüner.
Mehr Vegetation Am Abend schlugen wir unser Zelt am Fluss bei einem Dörfchen auf und kochten uns Tütensuppe mit Nudeln. Hier waren insgesamt noch nicht einmal zehn andere Wanderer. (Bolivien ist noch nicht so überlaufen wie Peru.) Am nächsten Tag wurde es deutlicher wärmer und die Vegetation immer tropischer, weiterhin tranken wir das Wasser von Bergbächlein. Mittags konnten wir uns diesmal eine kleine Kochpause gönnen – Tütensuppe mit Reis. Abends gab es dann sogar Nudeln mit Tomatensauce.
Unser Zelt am letzten Morgen Am nächsten Morgen liefen wir nur noch zwei Stunden, dann waren wir am Ende des Treks – in Chairo. Von dort liessen wir uns zu einem halbwegs fairen Preis nach Yolosa fahren (ca. 15 Minuten), von wo wir nach Coroico fuhren (noch mal rund eine Viertelstunde) und von dort dann einen Bus nach La Paz nahmen.

Abschiedsfeiern in Camiri

Von La Paz ging es nach einem Tag, den ich wechselweise im Bett und auf der Toilette verbrachte (sowas kommt halt schon mal vor), über Santa Cruz nach Camiri zur Abschiedsparty von Niko und Hannah (die weltwärts-Freiwilligen, die das ganze Jahr über dort waren). Neben den beiden waren auch noch Alex und Lukas da, die wie ich für eine Zeit in Camiri gelebt und gearbeitet haben. Ein schönes Wiedersehen mit Ely, unserer Köchin und „Hostel-Mama“, sowie den Camireños in unserem Alter.

Ab in den Dschungel

Dschungel Nach zwei schönen letzten Tagen in Camiri machte ich mich wieder auf, um nach Rurrenabaque zu fahren – fünf Stunden nach Santa Cruz, dann nach einer rund fünfstündigen Pause nach Trinidad (elf Stunden) und von dort eine Stunde später rund zwölf Stunden über eine verdammt holprige und sandige Piste nach Rurrenabaque. –Ein ordentlicher Trip! Die ganze Strecke zwischen Santa Cruz und Rurrenabaque zieht sich durch Weideland, schier unendlich viele Kühe sieht man hier.
Rurrenabaque, ein kleines Städtchen am Río Beni, liegt quasi am Eingang zum Madidi-Nationalpark, einer der Orte mit der höchsten Biodiversität auf der Erde.
Berühmt wurde das Städtchen dadurch, dass sich eine Gruppe israelischer Touristen im Urwald verirrte und nur einer von ihnen überlebte. Er verfasste ein Buch über diese Erlebnisse, was ein Bestseller wurde und den Ort bekannt machte. So kommen nach „Rurre“ auch verhältnismässig viele Israelis.
Von Rurrenabaque kann man einerseits mit autorisierten Agenturen Touren in den Dschungel unternehmen oder die Pampas erkunden, wo man die meiste Zeit auf dem Boot fährt und vor allem Tiere sieht. Viele machen beide Touren, ich habe nur den Dschungel besucht – was ein tolles Erlebnis war.
Papageien Am ersten Nachmittag zogen „Pepsi“ und Kai (zwei ungefähr Gleichaltrige aus Bonn), Ernesto (unser Führer) und ich, begleitet von einem Koch, zu einer Wanderung in den Dschungel los. Dabei konnte hielt Ernesto immer wieder an, um uns Dinge zu zeigen und zu erläutern, auf dem Weg sahen wir auch Wildschweine, die echt Furcht einflössend mit ihren Kiefern klappern können. Und kleine Äffchen, die in den Bäumen herumsprangen, haben wir gesehen. Abends ging es zu einer Felswand, wo hunderte Papageien leben. Das Essen war eigentlich schon zu deluxe, der Tee aus dem Flusswasser nach dem Abendessen und zum Frühstück hatte ein interessantes Aroma und war sicher sehr mineralhaltig …
Unser Nachtquartier Dann schliefen wir eine Nacht im Dschungel, natürlich mit Moskito-Netzen.
Am nächsten Morgen standen wir dann oben an der Felswand und konnten unzählige Papageien dabei beobachten, wie sie starteten und landeten oder einfach in der Felswand oder in Bäumen sassen. Richtig cool! Danach ging es kurz und locker zum Río Beni, dem Fluss, der sich durch den Park zieht. Hier bauten wir (zugegebenermassen etwas baukastenmässig – das Zeug lang schon bereit, wir mussten also nicht erst noch Bäume fällen) ein Floss und fuhren darauf zur Eco-Lodge zurück.
Wasser trinken aus der „uña de gato“ Am Nachmittag gingen wir angeln, wobei uns leider zweimal zwei ordentlich grosse (ich meine: echt grosse) Fische entkamen. Und am nächsten Morgen gab es nochmal eine Waldwanderung, wo ich u.a. den „Knoblauch-Baum“ sowie verschiedene Heilpflanzen kennenlernte und Tukane gesehen habe. Ein Höhepunkt war für mich das Trinken von Wasser aus der „Uña de Gato“, einer Liane. Aus den rund anderthalb Metern, die Ernesto mit der Machete abgeschlagen hatte, lief für über eine Minute kontinuierlich ein ordentlicher Wasserstrom. – Ganz normales Wasser, vielleicht hat es ein ganz bisschen holzig geschmeckt. Zurück zur Eco-Lodge ging es diesmal auf Baumstämmen paddelnd.
Mashaquipe-Eco-Lodge Nach einem guten Mittagessen wurde ich dann auch schon wieder zurück nach „Rurre“ gefahren und von dort aus fuhr ich am nächsten Morgen rund 19 Stunden nach La Paz.
Dort kam die flota gegen 5.20 Uhr an, sodass ich zunächst für rund anderthalb Stunden in der Kälte (La Paz liegt ja auf rund 3600 m) auf der Plaza rumsitzen durfte (habe dann einfach meinen Schlafsack rausgeholt), bevor ich mir ein Frühstück suchte. Dann machte ich noch ein paar letzte Einkäufe und fuhr dann am Nachmittag nach Santa Cruz (rund 16 Stunden), wo ich nun ein paar letzte Tage bei der Familie von Max verbringe, heute Abend noch mal einen Trinke¡n gehe mit ein paar Freunden / Bekannten aus Santa Cruz / Camiri, bevor ich am Dienstagmorgen abfliege.

Nach Potosí zu den Silberminen bin ich wegen anhaltender bloqueos leider nicht gekommen, das werde ich dann nachholen, wenn ich in ein paar Jahren (ach wären da nicht du hohen Flugkosten) wieder nach Bolivien zurückkehre. Potosí war für über zwei Wochen dicht – blockiert von (Teilen) der eigenen Bevölkerung, um somit den Verkehr zwischen Sucre und Cochabamba und La Paz (erfolgreich) zu stören und somit die „Bundesregierung“ zu erpressen. Inzwischen hat sich die Lage aber wohl halbwegs normalisiert.

Wie es weiter geht

Morgen, am 24. August fliege ich gemeinsam mit vier Kollegen ab Santa Cruz zurück nach Deutschland. Mit Zwischenhalt in Lima und einem Tag Pause in Caracas. Dann geht es nach Paris und von dort nach Frankfurt. Ich lande also am 26. August in Deutschland und bleibe dann direkt bei Frankfurt, da ich am nächsten Tag in Bad Homburg (20 min von Frankfurt) unser fünftägiges End-Seminar habe. Erst am 31. August bin ich dann also wieder zuhause.

Zuletzt wurde ich (verständlicherweise) immer wieder gefragt, ob ich mich darauf freuen würde, zurückzukommen und worauf ich mich denn freuen würde.
Also: ja, ich freue mich darauf, wieder nach Deutschland und nach Hause zu kommen. Ich freue mich auf meine Freunde und meine Familie, auf unseren Hund, auf eine Waschmaschine, eine Heizung, auf Gummibärchen und deutsches Essen (Saucen!), auf schnelles Internet und einen Mac, auf gemütliche Kneipen und Restaurants, auf Döner, auf Fahrrad fahren, Auto fahren, deutsches Bier, neersener Vanille-Eis, gute Einkaufsmöglichkeiten, nette Gesprächspartner …
Und gleichzeitig werde ich so vieles vermissen – die Einfachheit und Unkompliziertheit in allem und jedem, die vielen netten Menschen, das (auch nach einem Jahr immer noch andauernde) Entdecken von so vielen Dingen, die Möglichkeiten, die Preise, die Landschaften, den entspannten Umgang mit allem und jedem, den ständigen Sonnenschein, …

Und zu meinen Zukunftsplänen: ich werde an der Uni Münster Wirtschaftsinformatik studieren. Worauf ich mich schon freue.

Hinweis: Bei Flickr gibt es wieder viele neue Bilder. Bei den Landschaftsbildern kann es sich lohnen, die Bilder gross anzuschauen (Bild anklicken und dann noch einmal auf das Bild klicken, wenn dort das Lupensymbol erscheint).

Kommentare


Reise, Reise

2. August 2010

Zum Ende meines Freiwilligen Ökologischen Jahres in Bolivien kann ich nun noch einmal intensiv reisen: 26 Urlaubstage (Arbeitstage) stehen uns gesetzlich zu, der Pflichturlaub von Weihnachten bis Mitte Januar wurde darauf nicht angerechnet. Zudem fliege erst neun Tage nach unserem offiziellen Dienstende in Bolivien, was ich auch noch zum Reisen nutze.

Am Titicacasee Nachdem ich mit Janka und Christine auf der Isla del Sol (Sonneninsel) im bolivianischen Teil des Titicacasees war, machte ich mich alleine auf nach Peru. Meine Stationen dort waren Cusco und das Heilige Tal der Inka, Lima, die Oase Huacachina bei Ica sowie der zweittiefste Canyon der Welt – der Cañon del Colca bei Arequipa.

Peru – ein vielseitiges Land

Berg bei Cusco in der Dämmerung Bolivien und Peru – das ist im Andenraum ein zusammenhängendes Kulturgebiet, das erst durch die Staatengründungen vor weniger als zweihundert Jahren getrennt wurde. Vor allem in den Dörfern sind die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern immer noch sehr klar ersichtlich.
Inzwischen gibt es aber natürlich auch bemerkenswerte Unterschiede: am augenfälligsten sind sicherlich die unterschiedlichen Entwicklungsstände. – Peru ist wirtschaftlich (und vielleicht auch sozio-kulturell) wohl 15 bis 20 Jahre weiter entwickelt als Bolivien. Die Unterschiede zwischen Land und Stadt kamen mir aber noch deutlich krasser vor als in Bolivien, vor allem Lima ist in vielen Teilen nicht sehr viel anders als eine europäische Grossstadt.
Der Tourismus in Peru ist sehr stark professionalisiert – überall gibt es Tourenpakete, Hostels und Hotels ohne Ende, die meisten Führer sprechen Englisch. – Das alles kennt man aus Bolivien nicht.
Peru hat wie Bolivien sehr vielseitige Landschaften zu bieten, neben den Anden gibt es auch noch das Amazonasbecken und vor allem im Norden wohl tolle Strände.
Das peruanischen Nationalgetränk heisst übrigens „Inca Kola“: ein koffeinhaltiger knallgelber Softdrink, der so schmeckt, wie er aussieht. Nachdem Coca-Cola es einfach nicht verdrängen konnte, kaufte der Konzern dann letztendlich auf.

Cusco

Hausmauer in Cusco Cusco, die Hauptstadt des Inka-Reichs, ist eine wirklich schöne, aber auch verdammt touristische Stadt. Das Stadtbild ist geprägt von Inka-Mauern, vielfach wurden die Mauern als Grundlage für Kolonialhäuser genutzt, sodass der untere Teil aus „Inka-Steinen“, der obere Teil hingegen weiss verputzt und im Kolonialstil ist.
Inka-Tor Bei Cusco liegt das sog. „Heilige Tal der Inka“. Hier gibt es sehr eindrucksvolle Ruinen zu besichtigen – es ist vor allem beeindruckend, wie kunstvoll die Inka Steine bearbeiten und diese auch noch transportieren konnten. Auch wie sie mit anderen Völkern zusammengelebt oder über diese geherrscht haben, ist ein äusserst spannendes Thema.

Inka-Stätte Auch wenn viele es nicht nachvollziehen können – ich habe mich bewusst dagegen entschieden, Machu Picchu zu besuchen. Diese Stätte wird von viel mehr Touristen besucht, als sie eigentlich vertragen könnte, der Zug dorthin ist eine ziemliche Abzocke. Mir hat es gereicht, die Ruinen in Cusco und im „Heiligen Tal der Inka“ im Rahmen einer Tour zu besichtigen.

Lima

Die Hauptstadt Lima (Ballungsgebiet ca. 13 Mio. Einwohner) liegt direkt am Meer, hat touristisch aber eigentlich nicht sonderlich viel zu bieten. Und wenn nicht gerade Sommer ist (was, als ich da war, ja nicht der Fall war), ist das Wetter in der Regel ziemlich trüb. Ich hatte Pech, dass genau als ich da war, die gigantischen Wasserspiele ausser Betrieb waren, eine der wenigen Attraktionen.
Ich habe in Lima aber einige nette und interessante Menschen kennengelernt, sodass der Aufenthalt dennoch nett war.

Sandwüste bei Ica

Küstenwüste in Peru bei Arequipa Wer wusste, dass es in Peru eine Sandwüste gibt? – Bis vor kurzum, war auch ich mir dessen nicht bewusst. Beim Oasenstädtchen Huacachina war ich somit das erste Mal in meinem Leben in einer Wüste – und sandboarden. Leider sind die Buggy-Touren für Touristen viel zu kurz, dennoch hat es wirklich Spass gemacht und es war ein tolles Erlebnis nur von Sand umgeben zu sein.

Trekking im Cañon del Colca bei Arequipa

Plaza de Armas (Haupt-Plaza)  in Arequipa Von Ica ging es weiter nach Arequipa – eine wirklich schöne Stadt. Viele Gebäude im Zentrum sind aus einem hellen Vulkangestein, weshalb Arequipa auch die „Ciudad Blanca“ (Weisse Stadt“) genannt wird.
Am Nachmittag meiner Ankunft machte ich mich dann aber schon nach Cabanaconde zum Cañon del Colca auf. Sechs Stunden Fahrt für geplante anderthalb Tage – so etwas macht man nur in Südamerika.
Am Cañon bei Cabanaconde Als wir dann um kurz vor zehn Uhr ankamen, war gerade fiesta – ich wurde mit einem Feuerwerk geweckt. Wie sich herausstellte, waren wegen der fiesta alle Unterkünfte restlos ausgebucht. Gemeinsam mit ein paar anderen Backpackern, die wie ich vor dem gleichen Problem standen, bin ich dann schlussendlich in einem Nebenraum eines Hostels untergekommen, und habe dort im Schlafsack mit zwei Wolldecken als „Matratzen-Ersatz“ auf dem Boden geschlafen …
Sonnenaufgang am Cañon del Colca Am nächsten Morgen bekam ich dann von den Hostel-Inhabern im Gespräch den Tipp, mich wegen der fiesta am besten so schnell wie möglich um ein Rückfahrtticket für die nächsten Morgen, an dem ich ja schon wieder zurück fahren wollte, zu kümmern. – Die waren da schon ausverkauft und so blieb mir nichts anderes übrig, als einen Tag länger zu bleiben.
Immerhin konnte ich den dazu gewonnen Tag dann nutzen, um mehr in der Landschaft zu wandern, was teilweise recht anstrengend war (z.B. 1200 Höhenmeter Aufstieg am letzten Morgen).

Danach ging es dann wieder sechs Stunden lang zurück nach Arequipa, von dort über Nacht zur bolivianisch-peruanischen Grenze. Der Bus kam gegen vier Uhr morgens an, wir durften zum Glück noch bis ungefähr halb sechs im Bus bleiben. Danach hiess es: Schlange stehen für den Ausreisestempel. In der einen Stunde Wartezeit in der Schlange habe ich so gefroren wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben – ich habe mir dann meinen Schlafsack rausgeholt, um die Kälte an den Füssen halbwegs ertragen zu können. Ja, da habe ich dann doch wieder das Schengener Abkommen zu schätzen gelernt …
Dann fuhr ich anderthalb Stunden im Kleinbus nach La Paz, dort kaufte ich für den Abend ein Ticket nach Sucre. Und dann ging es über Nacht für noch einmal rund zwölf Stunden nach Sucre zu unserem End-Seminar.
Nach knapp zwei Tagen auf Achse und zwei Nächten in Bussen kam ich am nächsten Morgen dann in Sucre an.

Mein Urlaub in Peru war erlebnisreich und auch in vielerlei Hinsicht sehr interessant. Ich habe wieder sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Im Gegensatz zu fast allen anderen Freiwilligen, die Peru bereist haben, ist mir nichts abhanden gekommen.

End-Seminar in Sucre

Gruppenfoto mit Baby-Lama Es war richtig schön, beim Seminar wieder mit fast allen „Zivis“ zusammenzutreffen. Wir haben viele Informationen für die zukünftigen Freiwilligen gesammelt (und sie dann ins Wiki gestellt bzw. dort aktualisiert), Kritik geäussert und Vorschläge gesammelt.
Zudem gab es von unserem Chef Max wieder sehr viele äusserst interessante Informationen sowohl über vergangene Kulturen in Südamerika als auch über die aktuellen Entwicklungen in Bolivien. Und wie immer bei den Seminaren gab es am Ende ein tolles Schluss-Grillen mit allen Freiwilligen, die zu dem Zeitpunkt in Sucre waren.

Wieder in La Paz

Kathedrale in La Paz Nach dem Seminar bin ich gemeinsam mit meinen Freiwilligen-Kollegen Felix, Lukas, Moritz, Niko und Christine noch einmal nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens, gefahren.
Normalerweise dauert die Busfahrt ca. zwölf Stunden (über Nacht). Wir mussten aber aufgrund eines bloqueos von Minenarbeitern einen Umweg über Cochabamba fahren und haben somit rund sechs Stunden länger gebraucht. Bloqueos – Strassensperren (i.d.R. auf wichtigen Verbindungsrouten) – sind in Bolivien ein beliebtes Mittel, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Direkt am Terminal, als wir unsere Rucksäcke in Empfang nahmen, wurde dann Christine ihre Handtasche geklaut. Mit Reisepass, Kamera, Zahnspange, EC-Karte, …
Niko, Moritz und Felix beim Warten auf den Wohnungsschlüssel In La Paz sind wir in zwei WGs von Freiwilligen des Deutschen Entwicklungsdiensts, die Moritz, Lukas und Christine kennen, untergekommen und haben mit ihnen einiges unternommen.
Unter anderem waren wir im sehr kleinen, aber sehr interessanten Coca-Museum, haben Spätzle gegessen (Danke noch mal, Mo!) und eine Parade mit traditionellen Tänzen (wo auch DED-Freiwillige aus La Paz mitgetanzt haben) gesehen.

Salz und Silber

Auf der Fahrt nach Uyuni Eigentlich wäre ich nun in Potosí, um die Stadt und die dortigen Silberminen im Cerro Rico zu besuchen. Aber inzwischen kommt man dank des bloqueos auf dem Landweg gar nicht mehr nach Potosí oder Sucre.
Als Dankeschön für unser Freiwilligenjahr erhalten wir nämlich von unserer Organisation vor Ort (Hostelling International Bolivia) die Tour „Salz und Silber“ geschenkt. Sie startet in Potosí mit Besichtigung der Stadt und der Silberminen. Dann geht es eigentlich weiter nach Uyuni und von dort fährt man im Allrad-Wagen auf den Salar de Uyuni, die grösste Salzfläche, der Welt, und besucht noch andere spannende Naturwunder in der Gegend in einer viertägigen Tour, zum Ende geht es nach La Paz.
Wegen des bloqueos habe ich die Tour jetzt zerstückelt und bin nun in Uyuni. Morgen geht es dann los, nachdem ich heute wegen eines anderen bloqueos, den wir umfahren mussten, zu spät für eine Tour heute angekommen bin.
Den Teil der Minen kann ich dann hoffentlich nächste Woche nachholen.

Es gibt übrigens wieder viele neue Bilder bei flickr, vom Titicaca-See und meinen Stationen in Peru.

Kommentare


„Ein Schluck Chicha für die Pachamama“ – Radio-Beitrag online verfügbar

9. Juli 2010

Vor ein paar Tagen wurde beim Deutschlandfunk ein einstündiges Feature über das bolivianische Dorfleben gesendet.
Der Beitrag ist von Judith Grümmer, einer Hörfunkjournalistin, die ich am Anfang meiner Zeit in Bolivien kennengelernt habe. Durch ihre Söhne ist sie an Hostelling International Bolivia (meine Organisation hier vor Ort) geraten und hat für den Beitrag auch die Infrastruktur von Hostelling genutzt und berichtet u.a. von „unseren“ Projekten.
Für alle, die Interesse haben: hier geht es zur Download-Seite (rechts in der Spalte kann man unter „AUDIO ON DEMAND“ den Titel „Ein Schluck Chicha für die Pachamama – Bolivianische Dorfgeschichtenund“ finden.
Alternativ: hier geht es direkt zur Audiodatei.

Wichtig: der Download wird meines Wissens „dank“ der neuen Gesetzgebung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur zwei Wochen ab Sendetermin verfügbar sein.
Im Zweifelsfall bei Zeitmangel also die MP3-Datei runterladen und später anhören (Rechtsklick auf „MP3“ und dort dann „Ziel speichern unter …“ oder so ähnlich auswählen.)

Kommentare


Meine Zeit in Karachimayu

8. Juli 2010

Und da bin ich schon (längst) wieder weg aus Karachimayu.
Nach meinem letzten Blogpost war ich auch nur noch ein verlängertes Wochenende in El Villar, den Rest der Zeit bin ich in Karachimayu geblieben. Gerne hätte ich schon früher gebloggt, aber das war einfach nicht möglich. Ich sass schon so viel vorm PC (mit langsamer Internetverbindung …) für Uni- und Wohnheim-Bewerbungen, dass ich einfach keine Zeit dafür hatte. – Ein bisschen muss man ja auch mal einfach im Garten sitzen und die frisch vom hostel-eigenen Baum gepflückten Orangen schlürfen.

Internatsessen mit Lehrern Direkt in der ersten Nacht, in der ich wieder zurück war, wurde ich von einem Insekt namens „Uru-Uru“oder so (habe im Internet unter diesem Namen und auch anderen Schreibweisen nichts finden können) gestochen / gebissen. Zunächst dachte ich, dass es sich nur um einen normalen Insekten-Stich/-Biss handelte, aber die gereizte Stelle (am Hals) wurde grösser und gereizter und dann zeigte sich ein Ausschlag. Die Diagnose war dann schnell klar, das kommt hier wohl nicht ganz selten vor. Man sagte mir, wenn man es nicht behandle, würde es wuchern.
Mich hat dann Profe Fortunato mit der typischen lokalen Methode behandelt: man reibt ein altes (rostiges?) Messer (in meinem Fall war es aber eine Feile, glaube ich) über einen Stein, um es zu erwärmen und hält es dann für so fünf bis zehn Sekunden an die betroffene Stelle. Das wiederholt man ein paar Mal und dann soll es davon weggehen.
Ich habe dann zusätzlich aber noch ein paar Tage lang Jod-Salbe draufgeschmiert. Und es ging dann auch tatsächlich ganz weg. Da die Jod-Salbe laut Packungsbeilage eine oxidierende Wirkung hat, kann ich mir vorstellen, dass die Methode mit dem Messer das gleiche macht, nur mit Hausmitteln. Aber ich lasse mich da auch noch gerne belehren von jemanden der Ahnung hat.

In der zweiten Woche habe ich dem Kollegium angeboten, in der fünften bis zur achten Klasse zwei Stunden (und nicht nur eine) in der Woche Englisch zu unterrichten. Dieser Vorschlag wurde angenommen und so hatte ich das Gefühl, dass ich etwas „voran kommen“ kann. (Auch wenn in Deutschland die Schüler in den unteren Klassen ja vier bis fünf Stunden pro Woche Englisch haben.)

¡Fiesta, fiesta!

25 de Mayo Am 25. Mai haben wir dann in Karachimayu den „Día de Chuquisaca“ gefeiert. Chuquisaca ist das departamento, in dem u.a. Sucre, Cajamarca, Tarabuco, Alcalá, El Villar und auch Karachimayu liegen (hier geht es zur Karte der Einsatzorte von Hostelling International Bolivia). Am 25. Mai 1809 erklang in Sucre der „Erste Ruf nach Freiheit“ in Lateinamerika. In Folge dessen wurde später dann nach vielen Schlachten ganz Lateinamerika von Spanien und Portugal unabhängig.
Daran wird jedes Jahr in Chuquisaca mit Feierlichkeiten selbst in den kleinsten Gemeinden erinnert. Zu diesem Anlass gab es am Abend eine kleine Feier auf der cancha (Fútsal-Platz; liegt direkt an der Schule) mit ein paar (langweiligen) Reden, dem Singen der Nationalhymne und der Hymne von Chuquisaca sowie einer Parade der Schüler, Lehrer und auch Eltern. Auch ich bin so an den beiden Nationalhelden Jose Antonio de Sucre (nach dem die konstitutionelle Hauptstadt benannt ist) und Simon Bolívar (nach dem das Land benannt ist) sowie Wappen und Fahne vorbeimarschiert – mit ausgestrecktem Arm. Gerade für einen Deutschen nicht ganz unproblematisch … Aber ist es nicht gerade Ausdruck von Völkerverständigung, dass es für die Lehrer ganz klar war, dass ich als Deutscher mit Ihnen da vorbeimarschiere?
Für mich war es dann ein Zeichens des Respekts vor einer anderen Kultur. Bei anderer Gelegenheit habe ich dann mit einer Lehrerin über das Problem der Deutschen mit dem Nationalismus und solchen Paraden gesprochen.

Tanz am Día de la Madre Zwei Tage später gab es dann schon die nächste fiestaDía de la Madre Boliviana (Tag der bolivianischen Mutter). Ja, der bolivianische Muttertag erinnert an das heldenhafte Handeln bolivianischer Mütter, wie sie mutig gegen die Spanier kämpften und wurde irgendwann in den zwanziger oder dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts festgelegt.
Zunächst einmal haben wir (Lehrer, Hausmeister, Köchin und ich) gegen neun Uhr ein zweites Frühstück zu uns genommen. Das hatten die Männer zubereitet. (Obwohl ich meine Hilfe explizit angeboten hatte, haben sie es ohne mich gemacht. Warum genau, weiss ich nicht.) Der Muttertag ist hier viel mehr ein Tag der Frau, hatte ich den Eindruck, die Kinder haben wohl weniger als die Männer gemacht. – „Mutter“ ist hier ja ohnehin insbesondere auf dem Land quasi Synonym für „erwachsene Frau“.
Die Feier war eigentlich für zehn Uhr angesetzt. Aber wir sind ja in Bolivien, wo es die „hora boliviana“ gibt – also fing die Feier dann irgendwann so gegen ein Uhr an, als genügend Leute da waren. Nach dem Singen der Nationalymne und einer Ansprache haben dann alle Kurse vor allem Tänze, aber auch Lieder und Sketches (wo ich irgendwie nie verstanden habe, ob sie überhaupt eine Pointe hatten) präsentiert, was recht unterhaltsam war.
Grillen Später ging es dann wieder Richtung cancha, dort wurde dann ordentlich gegrillt: eine ganze Kuh. Mit den Lehrern, Don Nazario und Don Filemon haben wir dann mal wieder Fussball gegen die Dorfjungs gespielt, wobei mein Einsatz aber ziemlich kurz war.
Später wurde dann auch der Alkohol rausgeholt (also im Wortsinne: sechsundneunzig-prozentiger Alkohol, gemischt mit Milch oder einem Erfrischungsgetränk). Natürlich gab es auch noch chicha, das traditionelle Maisbier der Andenregion und etwas Bier. Man kann hier nicht einfach wie in Deutschland trinken, so wie man gerade Durst und Lust hat – nein man lädt sich ständig gegenseitig ein, sodass man ratz-fatz einen ordentlichen Alkohol-Pegel hat.
Getanzt haben wir auch, den zapateo – ein Tanz, bei dem man im Wesentlichen halb-elegant mit den Füssen stampft. Da war ich, der Gringo, natürlich eine gewisse Attraktion. War schon ganz lustig mit irgendwelchen Müttern und Mütterchen zu tanzen. Aber irgendwann ist das ganze Gestampfe doch dann etwas anstrengend.
Die Feier dauerte bis ein Uhr, ich habe mich dann aber schon was früher aus dem Staub gemacht.
Am nächsten Morgen (schulfrei, weil wir am 25 de Mayo Unterricht hatten und die Internatsschüler so ein längeres Wochenende zu Hause verbringen konnten) konnte ich dann auch noch mal mit den Männern ein Bierchen mittrinken, während zwei der Lehrerinnen sauber machten – die Reste vom Muttertag. Ja, hier ist es noch ein weiter Weg zu einer Emanzipation der Frauen.

Wochenenden in Karachimayu

Landschaft bei Karachimayu Mal geplant, mal gezwungenermassen bin ich dann die meisten Wochenenden in Karachimayu geblieben. Das war auch das, was sich richtig anfühlte. Jedes Wochenende nach El Villar zu fahren – da wäre ich viel mehr ein Gast geblieben.
An den Wochenenden wurde ich jeden Tag von einer anderen Lehrerfamilie versorgt. Bei der einen Familie sass ich mit am Tisch, so sind natürlich Gespräche und einfach auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Sehr nett. Eine andere Familie hat mir einfach das Essen gebracht, bei Mario habe ich sogar mit ihm zusammen gekocht.
Streckenweise habe ich mich schon ordentlich gelangweilt, ich war dann aber doch erstaunt, wie gut ich die Zeit rumgekriegt habe mit einer Mischung aus Spanisch lernen, Gitarre spielen, Musik hören und nichts tun (de facto: nachdenken oder dösen).
Don Eonel Eine weitere tolle Beschäftigung war dann auch noch das Wandern, das ich leider nicht direkt am ersten Wochenende ausprobiert habe. Die Landschaft dort ist wirklich sooo schön. Und wenn man ein bisschen herumwandert, kommt man bei irgendwelchen Bauernhäusern vorbei und wird dann auch ganz schnell auf ein bisschen Essen eingeladen.

Hände waschen nicht vergessen – nach dem Klo und vor dem Essen!

Recht bald fiel mir auf, dass sich die Schüler und wohl auch die Lehrer fast alle nicht die Hände wuschen, weder nach dem Toilettengang noch vor dem Essen. Ich hingegen nahm immer meine Seife mit zur Toilette, um mir danach die Hände zu waschen. Gleichzeitig aber sprachen die Lehrer mehrfach in den morgendlichen „informes“ (Ansprachen) über Bakterien und dass jetzt, wo es kälter würde, die Grippe-Gefahr steigen würde und Maßnahme ergriffen werden müssten.
Die „Händewasch-Thematik“ habe ich dann nach einiger Zeit beim Direktor angesprochen und wurde von ihm und auch von zumindest einem Lehrer und dem Betreuer der Internatsschüler aktiv unterstützt. So habe ich dann zunäachst allen Schülern erklärt (mit dem Einschub, die meisten wüssten es ja wahrscheinlich), warum Händewaschen so wichtig ist. Im Anschluss habe ich mit den Schülern von Vorschule bis sechste Klasse die richtige Händewasch-Technik (von der ich erst kurz vorher noch einmal in einem Artikel bei Zeit Online gelesen hatte) geübt – was Ihnen viel Spaß gemacht hat; siebter und achter Klasse habe ich es nur erklärt – gemeinsames Üben wäre wohl nicht mehr ganz altersgerecht.
Ich habe dann in der Folgezeit vor jedem Essen darauf geachtet, dass sich die Schüler die Hände wuschen. Und auch nach dem Toiletten-Besuch sollten sich alle Schüler die Hände waschen, was sie zumindest in meiner Anwesenheit taten. Ich hoffe sehr, dass die Kontrolle auch ordentlich fortgeführt wird, wenn kein Freiwilliger da ist.

Nach drei Wochen bin ich doch dann doch noch mal nach El Villar zurückgekehrt, für ein langes Wochenende. Dort scherzte man schon, dass ich wohl gar nicht mehr zurückkäme. Als ich dann Jean halb im Spass fragte, was sich so „in der Weltgeschichte“ getan habe in meiner Abwesenheit, fiel mir fast die Kinnlade runter: „Lena Meyer-Landruth hat den Grand Prix gewonnen, Horst Köhler ist zurückgetreten und Roland Koch wird zurücktreten.“

Ein sehr bemerkenswertes Erlebnis hatte ich an meinem vorletzten Tag in Karachimayu: eine Drittklässlerin weinte vor Zahnschmerzen. Ich bat sie dann, mir den Mund zu zeigen und ich konnte den Krater direkt und mit blossem Auge erkennen. Wir haben ihr dann Ibuprofen gegeben, ansonsten blieb mir nur zu sagen, dass sie so bald wie möglich mit ihren Eltern zum Zahnarzt gehen müsse.
Mir war natürlich schon seit langem bekannt, dass gerade auch die Kinder hier oftmals sehr schlechte Zähne haben. Aber nie hatte ich mir ausgemalt, dass schlechte Zähne natürlich auch irgendwann extreme Schmerzen bedeuten. Um so richtiger erschien mir, dass ich jetzt auch in Karachimayu zumindest einen ersten Anfang gemacht habe, dass Projekt „Ratón Perez“ auch hier einzuführen. Das Projekt wurde von Freiwilligen schon vor ein paar Jahren eingeführt, da ihnen auffiel, wie viele Kinder schon schlechte Zähne hatten. So wurde vor allem in El Villar und Alcalá viel Aufklärung betrieben, die Kinder wurden zum Zahnarzt geschickt. Dieses Projekt läuft auch weiterhin, wenn auch nicht mehr ganz so auf Hochtouren. Unter dem Namen „Zehne für Zähne“ werden weiterhin Spenden gesammelt: Für 10 € geht ein Freiwilliger mit einem Kind zum Zahnarzt und versorgt es mit Zahnbürste und Zahnpaste.
In der Elternversammlung der Internatsschüler forderte ich die Eltern also auf, dass sie ihren Kindern nach den Ferien Zahnbürsten und Zahnpaste mitgäben. Ich bin gespannt, wie viele das wirklich machen und hoffe sehr, dass Don Filemon ggf. Druck macht. Falls das nicht klappt, müssen wir die Zahnbürsten und Zahnpaste wohl irgendwie über „Ratón Perez“ organisieren. Spenden sind weiterhin hochwillkommen und werden sinnvoll eingesetzt. Wer einen kleinen oder auch grösseren Betrag spenden möchte, melde sich bitte bei mir.
Christoph, der nach den Ferien nach Karachimayu gehen will, soll dann mit den Schülern das Zähneputzen üben und dafür sorgen, dass es in den Alltag fest integriert wird. Ich hoffe zudem, dass bald auch mal wieder ein Zahnarzt zur Schule in Karachimayu kommen kann und dort alle Kinder durchcheckt. Neuerdings sind nämlich alle Schüler in El Villar und Alcalá durch zwei spanische Organisationen krankenversichert. So sollte also Geld für die Behandlung da sein.

In Karachimayu habe ich mich wirklich wohl gefühlt. Ja, es war streckenweise echt einsam und ich habe unter sehr einfachen Verhältnissen gelebt, aber gerade das hat es vielleicht auch so spannend gemacht. Die Gastfreundschaft der Menschen dort habe ich sehr genossen, ebenso wie die Landschaft.

Nach meiner Zeit in Karachimayu blieb nur noch eine Nacht in El Villar, dann schon nach Sucre. Dort war ich dann nach langer Zeit noch einmal mit meinen „Zivi-Kollegen“ einen trinken und etwas feiern. Das war richtig gut, schliesslich hatte ich viele von ihnen schon seit Weihnachten nicht mehr gesehen.

Und mal wieder bei Max in Santa Cruz

Danach ging es noch mal für eine kurze Woche nach Santa Cruz zu Max und seiner Familie. Martha begrüsste mich ungefähr mit den Worten „Da ist er wieder – mein Sohn, der in der Welt rumreist und doch immer wieder nach Hause kommt!“ und Sheirlyn und vor allem Janine haben sich offensichtlich auch gefreut, dass ihr „Bruder“ wieder da ist.
Die Website hat, während ich auf dem Dorf war, endlich ihren Relaunch erfahren. Einige Dinge, die noch zu verbessern waren, haben Max, Boris (der Webmaster, der die Seite umgesetzt hat und pflegt) hier besprochen und sollten nun bald auch umgesetzt werden. Zudem habe ich mich bei brauchbarer Internetverbindung und bessere PC-Infrastruktur mich darum gekümmert, flickr mit neuen Bildern zu versorgen und weitere Inhalte im Wiki (Online-Wissensdatenbank) aufzunehmen.

Reise, Reise

Nach diesem kurzen Zwischenstopp in Santa Cruz, habe ich nun Urlaub. Jetzt war ich schon mit Christine (die dort das ganze Jahr über gearbeitet hat) und Janka (weltwärts-Freiwillige aus Alcalá) auf der Isla del Sol (Sonneninsel) auf dem Titicaca-See. Ich kannte zwar schon viele Bilder – aber es ist wirklich sooo unglaublich schön: das klare Wasser, der Sonnenuntergang, … Und während man im Boot auf die Insel fährt, sieht man im Hintergrund die vergletscherten Gipfeln von Huayna Potosi, Illimani & Co (alle über 6000 m). (Fotos folgen, wenn ich wieder ein Kabel für meine Kamera habe oder einen Card-Reader …)
Dann treffen wir „Zivis“ (FSJ und FÖJ statt Zivildienst) uns noch einmal für das (bolivianische) End-Seminar in Sucre, danach reise ich dann noch mal intensiv in Bolivien rum. (In dieser Reihenfolge kommt es für einfach am besten aus.) So verbringe ich das Ende meines Freiwilligen Ökologischen Jahres mit Reisen. (Ich habe bisher noch gar keinen Urlaub genommen ausser dem Pflichturlaub nach Weihnachten.)

Dieser Bericht ist mal wieder sehr lang geworden. Bevor es jetzt aber noch länger dauert, bis man mal wieder etwas von mir hört, stelle ich nun lieber einen Bericht online, der vielleicht nicht den letzten Feinschliff genossen hat.

*Es gibt wieder neue Bilder aus Karachimayu und El Villar bei flickr. *

Kommentare [1]


Das Ende der Welt ist schön

22. Mai 2010

Meine erste Woche in Karachimayu (Aussprache: so, wie man’s liest) ist schon rum, ich bin kurz für das Wochenende (oder sagen wir besser: den Samstag und zwei Nächte) wieder in El Villar (Aussprache: El Billjar).

Pause auf dem Weg nach Karachimayu Die Fahrt nach Karachimayu war schon ein kleines Abenteuer. – So formuliert es zumindest der abenteuerlustige Europäer …
Fanny, unsere Köchin hatte gesagt, so um acht Uhr (morgens) führe eine camionetta. Don Carlos, Direktor des colegios in El Villar und ein stets gut informierter (er war mal Bürgermeister) und sehr freundlicher Ansprechpartner für uns Freiwillige, meinte etwas später, „so um neun bis zehn“.
Am nächsten Morgen um neun Uhr, ich hatte fast alle meine Sachen beisammen, kam Mario, Lehrer in Karachimayu und wohl so Mitte zwanzig und sagte, die camionetta käme „ahorita“ (wörtlich: „jetztchen“; bedeutet in der Regel „gleich“). Auf Mareikes Tipp fragte ich dann nach „A qué hora?“ („Um wie viel Uhr?“) – „Ja, so um zehn, elf, zwölf.“ – Letztlich wurde es dann nach vier …
In der Zwischenzeit wurden wir erst zum leche (Milch) trinken eingeladen. Also Milch – mit Alkohol. Ja, genau. Sechsundneunzig-prozentigem Alkohol. Und ein bisschen Vanillearoma. Ich habe mich so weit es ging zurückgehalten und es dennoch gespürt …
Irgendwann haben wir uns dann aus dem Staub gemacht. Später nach dem Mittagessen sollten wir dann noch mal zu ein paar anderen „para compartir“ („um etwas Zeit miteinander zu verbringen“ – so könnte man es vielleicht frei übersetzen). Naja, man hätte auch sagen können: um Bier zu trinken. – Habe ich zu viel versprochen, als ich im letzten Blogpost schrieb „viel Alkohol“?

Die camionetta, in diesem Fall übrigens ein Klein-Lastwagen und nicht ein Pickup, war voll beladen mit Ladung und Passagieren, Teile der Fahrt hing ich nicht besonders bequem zwischen irgendwelchen Säcken auf der Ladefläche.
Irgendwann dann blieb die camionetta dann im Schlamm stecken – es hatte am Morgen ein wenig geregnet und so führten die Flüsse und Flüsschen, die den Weg kreuzen, relativ viel Wasser.
Alle runter bis auf Frauen, Kinder und – den Gringo. Den, der hat ja keinen Plan, wie man jetzt am besten vorgeht. Das gemeinsame Anschieben brachte nichts, stattdessen geriet der Fuss eines Mannes unter die Räder. Ich konnte ihm wenigstens etwas Paracetamol gegen die Schmerzen geben (nicht unbedingt das beste Schmerzmittel für sowas, aber wohl besser als nichts), das hatte ich im Rucksack. Richtig verstanden, was genau mit dem Fuss geschehen war, habe ich nicht, zumindest hatte er sich nicht noch irgendwo am Metall geschnitten.
Nunja, letztlich wurden dann Wasser und Schlamm weggeschaufelt, die Hinterräder einzeln aufgebockt und Steine unter die Reifen gelegt. Nach rund anderthalb Stunden ging der Wagen dann mit Anschieben (inzwischen doch mit meiner Mithilfe) auch aus dem Schlamm. Inzwischen war es übrigens schon längst dunkel.
Nach kaum zehn Minuten Fahrt blieb der Wagen wieder stecken, diesmal seitlich weggerutscht. Nach einer guten Dreiviertelstunde ging es dann endlich weiter. Später mussten wir dann noch mal absteigen und rund fünf Minuten vorlaufen, wohl um das Gewicht zu reduzieren, ein anderes Mal bearbeiteten ein paar Männer den Weg mit Picke und Spaten. Ja, der Weg war wirklich schlecht.
Letztendlich waren wir, glaube ich, so um halb elf dann am internado. Dann nur kurz Sachen abgeladen, mir wurde mein Zimmer und die Sanitäreinrichtungen gezeigt – und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen habe ich gemeinsam mit den Schülern vom Internat gefrühstückt, es gab sehr süssen Milchreis (die Milch natürlich aus Milchpulver) mit Zimt. War ganz gut. Später dann Besprechung in Lehrerzimmer, ich habe einen Stundenplan erhalten. Wie in Deutschland auch sind die Lehrer natürlich alle sehr verschieden, es gibt offenere und verschlossenere Typen, jüngere und ältere.

Den ganzen Morgen über wurde ich natürlich schon von den Schülern beäugt. Bis ich mich dann beim Morgenapell vorstellen durfte.
Zunächst bin ich dann mit profe Carmen zur primaria und secundaria (erste und zweite Klasse) und habe mit den Zweitklässlern einen Text gelesen. Immerhin gab es für sechs Schüler drei recht neue Bücher.
Die Klassenräume haben alle zwei Tafeln auf zwei Seiten, damit man immer die Möglichkeit hat, zwei Jahrgänge gleichzeitig in einem Raum zu unterrichten.

Schulhof Der Alltag im internado sieht so aus: es gibt zwei grosse Schlafsäle, sagen wir mal für je rund zwanzig Kinder. Irgendwann morgens um halb sieben oder so, wenn ich noch schlafe, werden sie dann geweckt von Don Filimon (den man bestimmt irgendwie anders schreibt). Er ist der Betreuer der Schüler der Internats und ganz nett, eine gute Mischung aus Strenge und Lockerheit.
Um acht Uhr gibt es dann Frühstück, meistens einfach einen Brotfladen und einen Tee oder irgendetwas anderes Warmes zum Trinken.
Um neun Uhr (ungefähr) gibt es dann denn Morgenapell, die Kinder müssen sich schön nach Kursen, Geschlechtern und Grössen geordnet in Reihen aufstellen, es gibt eine kleine Ansprache, montags wird zudem wie in allen Schulen des Landes die Nationalhymne gesungen und die Flagge gehisst.
Dann geht es geordnet in die Klassen, der Unterricht beginnt.
Später gibt es dann ein Mittagessen, das bisher immer „okay“ bis „gut“ war. Das Essen kommt aus einem oder zwei Töpfen, wird stets in Schalen serviert, die jeder Schüler mitbringt und sich damit in die Schlange stellt. Dann wird recht hastig gegessen, vor und nach jedem Essen wird stets gebetet, das ist aber immer ein unverständliches Nuscheln.
Dann haben die Kinder noch etwas mehr Pause, dann beginnt der Nachmittagsunterricht. Später gibt es noch té (Heissgetränk plus einen Brotfladen) und dann noch etwas später cena (Abendessen), wieder warm und etwas, das man aus einer Schale mit Löffel essen kann.
Die Kinder trinken übrigens nie beim Essen, ich bin der Einzige, der da seinen Becher mitbringt.

Ich lebe also immer zusammen mit den Kindern vom internado, das sind die Kinder, die einen sehr weiten Schulweg haben, ich meine von mehr als drei Stunden, aber da muss ich nochmal nachfragen.
Für das Essen bringen die Kinder selber Zutaten wie Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, … mit, aber nicht jeden Tag sondern nur manchmal. Die externos erhalten an anderer Stelle ihr Essen von einer anderen Köchin, ansonsten haben sie aber alle zusammen Unterricht.
So weit grob zum Alltag.

Schüler und profe Mario In der ersten Woche war ich bisher bei allen Klassen, ab der dritten Klasse sollte ich nun Englisch unterrichten. Ich habe bei allen Klassen mit „What’s your name?“ und „My name is …“ angefangen. Und wenn ich eine Doppelstunde hatte, habe ich dann auch schon den Zahlen bis zwanzig angefangen.
Die Grossen, die schon Englischunterricht hatten, meinten dann natürlich: „Aber das kennen wir doch schon, wir können doch sogar schon die Zahlen bis 500!“ und zeigten es in ihren Heften. Naja, zwischen Im-Heft-Stehen-Haben und Beherrschen gibt es ja nun doch einen gewissen Unterschied.
So habe ich mit allen Klassen ganz viel Sprechen geübt und alle Schüler gezwungen, die Sätze und Zahlen, die wir besprochen haben, auch selber jeder alleine zu sprechen. Nicht ganz einfach. Sind sie gar nicht gewohnt …
Und bei den Zahlen durften die Kurse, die schon Englisch hatten, die Worte der Zahlen zu den Ziffern an der Tafel anschreiben. Und – oh Wunder – sie brauchten dafür ihre Hefte.
Jetzt haben sie alle auf, die Sachen wirklich gut auswendig zu lernen, und zwar sprechen und schreiben. Mal schauen, ob sie wirklich zum Üben die Sachen auch geschrieben haben, wie ich es ihnen erklärt habe.
Wenn nicht, dann dürfen sie das, was sie nicht können, sehr oft schreiben, um es zu lernen. Das habe ich ihnen direkt angekündigt. Mal schauen, wie oft ich von dieser „Strafe“ gebraucht machen muss nächste Woche und wie oft sie es dann schreiben sollen.
Bernhard ist ein strenger Lehrer nach deutscher Art. Das heisst: kein Kaugummikauen, kein Lutscher-Lutschen, kein Essen im Unterricht. Und das wird auch durchgezogen. Ungewohnt für die Kinder, glaube ich.
Nichtsdestotrotz versuche ich fair zu sein, nehme vieles mit Humor und bin nicht der Strenge wegen streng. Sicherlich bin ich kein Super-Lehrer, aber ich glaube, dass ich mich besser mache als gedacht.

Ich versuche zudem, die Kinder dazu zu bewegen, sich die Hände nach dem Toiletten-Gang zu waschen (zumindest wenn ich gerade dort bin und sie ohne sie zu waschen weggehen wollen) und den Müll in die Mülleimer zu schmeissen.
Bei diesen beiden Themen gibt es nämlich eine grosse Diskrepanz zwischen dem, was die Kinder lernen und was man dort tatsächlich macht:
Überall steht, man solle die Umwelt schützen und Müll nicht einfach wegschmeissen, vielfach von den Kindern selber gestaltet. Aber natürlich macht man es dennoch.
Und diese Woche noch erzählte ein Lehrer bei der Mittagsansprache nach dem Unterricht von Bakterien und „kleinen Soldaten in uns“, dem Immunsystem. Der letzte Schluss aber, dass man diesen „Soldaten“ helfen muss, indem man sich regelmässig die Hände wäscht – den haben die Kinder hier noch nicht gelernt (oder kennen ihn wenn, nur in grauer Theorie).

Internats-Schüler am Fluss Die Kinder sind sehr interessiert an mir, allen voran ein paar Achtklässlerinnen … Aber auch die sonstigen Kinder finden diesen Freiwilligen aus einem fernen Land doch sehr interessant (wobei ich übrigens nicht der erste Freiwillige bin, der dort arbeitet).
Abends habe ich schon öfter bei mir auf dem Zimmer Besuch von ganzen Kinderhorden bekommen, man wollte Fotos von meinen Freunden und meiner Familie sehen, Gitarre lernen, meine Musik vom iPod hören. Achja, und meine Fotos aus Bolivien auf der Kamera wollten sie auch sehen und ich wurde zig-fach gebeten, sie zu fotografieren.
Auch die Lehrer sind im Allgemeinen sehr nett, ich wurde schon mal zum Essen eingeladen und mit einigen habe ich schon abends gegen ein paar Jungs aus der comunidad, also „vom Dorf“, Fussball gespielt. – Der Strom für die Beleuchtung kam vom Dieselgenerator.

Denn Strom gibt es nur über den Generator und in Autobatterien gespeicherten Solarstrom. In meinem Zimmer, eigentlich der Funk-Raum, stehen gleich fünf oder sechs davon. Dementsprechend muss ich mit allen Geräten, die eine Batterie haben, gut haushalten. Aber auch Lesen darf ich nicht zu viel bei der ganzen Freizeit, die ich habe, sonst ist der Lesestoff schon zu schnell weg.
Ich nutze die viele Zeit, die ich dort habe, auch um Gitarre zu üben und mehr Spanisch-Vokabeln zu lernen und Grammatik zu wiederholen.

Jeden Morgen wird das Funkgerät angemacht und mit der alcaldia (der Stadtverwaltung, oder besser gesagt: Bürgermeisteramt) in El Villar gefunkt. Es ist die einzige Möglichkeit, Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen.

Landschaft ums internado herum Freitagnachmittag wurden Mario, dem es nicht so gut ging und der ins Kleinkrankenhaus von El Villar wollte, und ich von der ambulancia mitgenommen nach El Villar. Das Team der ambulancia war zum Impfen in Chapimayu gewesen (das liegt hinter Karachimayu). Mit an Board hatten sie auf der Rückfahrt neben Mandarinen auch noch eine Ente …
Nach rund zwei Stunden auf holprigem Wege, man brauchte wirklich einen Allradantrieb, durch wunderschöne Landschaft war ich dann abends wieder im Hauptdorf. (Die gesamte Gemeinde El Villar ist übrigens ungefähr so gross wie das halbe Saarland, überall gibt es Streusiedlungen.)
Erst schien es, als ob es morgen zurück nach Karachimayu keine mobilidad (also irgendein motorisiertes Gefährt mit vier Rädern) gäbe und wir wohl auf dem Pferd oder zu Fuss die 38 Kilometer zurücklegen müssten.
Zum Glück fährt jetzt wohl morgen früh wohl doch eine camionetta von einer spanischen Organisation in die Richtung und wir werden wohl auf der Ladefläche mitfahren können. Glück gehabt!

Ich werde wohl nächstes Wochenende auch in Karachimayu bleiben. Das Pendeln zwischen den beiden Dörfern ist ziemlich schwierig und man braucht auch viel Glück, wenn man nicht zu Fuss gehen möchte.
Zudem gefällt mir das einfache Leben in Karachimayu sehr gut. Ich kann es (noch?) nicht genau erklären, aber ich fühle mich dort richtig wohl.

Also, ab morgen bin ich dann erst mal weg …

_Bilder habe ich gemacht, konnte ich aus Zeitgründen aber leider nicht mehr hochladen (das Internetcafé schliesst gleich) und konnte sie doch noch hochladen

Kommentare